D300-1.JPG

Licht

  • robustes Gehäuse
  • heller 100% Sucher
  • Bildqualität
  • sehr geringes Bildrauschen
  • beeindruckender AF
  • sehr schneller Verschluß, 8 Bilder/Sek
  • Ergonomie
  • LiveView
  • phänomenaler Monitor
  • Energiemanagement
  • hochwertiger Batteriegriff


Schatten

  • keine echten 100 ISO
  • Liveview und MirrorUp nicht kombinierbar

Nikon D300

01 2008

Die letzten zwei Jahre hat mir die D200 stets gute Dienste erwiesen. Sicher ist sie keine perfekte Kamera, aber trotzdem ein durchaus brauchbares Werkzeug. Überraschend hat Nikon dann im Sommer 07, nicht einmal zwei Jahre nach Einführung des Vorgängers, die D300 angekündigt.

Neugierig machte mich vor allem der neue AF. Zwar arbeitet das AF-Modul der D200 in den meisten Fällen sehr zuverlässig, bei sich schnell bewegenden Tieren ist der nur zentral vorhandene Kreuzsensor aber etwas wenig. Die restlichen zehn Zeilensensoren sind da doch manchmal überfordert. Der neue Aufnahmesensor mit 12 MP könnte natürlich auch Vorteile mit sich bringen. Zu Beginn war die D300 noch relativ teuer, vor allem wenn man die nicht unerheblichen Folgekosten bei Erwerbung des dazugehörigen Hochformatgriffes mit einbezieht. Ich stellte mir die Frage, ob es überhaupt so wichtig sei, gleich eine haben zu müssen, schließlich habe ich ja auch die D200. Ende des Jahres gab es dann doch noch einen Preisrutsch, was mich veranlasste, eine beim örtlichen Händler zu bestellen.


Erste Eindrücke:

Als sie dann wenige Tage später tatsächlich von dort abzuholen war und ich das gute Stück begutachten konnte, kam mir das Gehäuse sehr vertraut vor, da es viele äußerliche Gemeinsamkeiten mit der D200 hat. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand und die Verarbeitung ist auf hohem Niveau. Die Tastenbelegung hat sich zum Teil geändert, das trifft aber hauptsächlich die Bedienung des Wiedergabemenüs. Wegefallen ist Taste für die Belichtungsreihenfunktion (dort sitzt bei der D300 jetzt die Wiedergabetaste). Für diese Funktion kann jetzt die Customtaste programmiert werden.

Neu sind auch die nicht verlierbaren Gummiabdeckungen für die Fernauslöse- und Blitzbuchse, viel praktischer als die Schraubdeckeln, die mangels vernünftiger Aufbewahrungsmöglichkeit nach einiger Zeit meist verschwunden sind. Doch vor allem die Buchse für den Fernauslöser ist etwas unpraktisch positioniert, sehr nahe am Entriegelungsknopf für das Objektivbajonett, was die Anbringung des Kabelauslösers nicht gerade erleichtert. Deshalb hab ich es mir angewöhnt, den Stecker nur in die Buchse zu stecken, ohne ihn zu verschrauben. In den meisten Fällen hält er auch so gut genug.

Die ersten Auslösungen verrieten sogleich den neuen, schnellen Verschluss. Der klingt dem einer D2 weit ähnlicher als dem einer D200. Mit angesetztem Batteriegriff und entsprechender Energieversorgung sind bis acht Bilder/Sek möglich. Das ist in der Praxis mehr als ausreichend. Bedingt durch die 51 AF-Messfelder wird immer nur das aktive Feld (bei automatischer Messfeldsteuerung können es auch mehrere sein) und ein Begrenzungsrahmen der Messfelder angezeigt. Das führt zu einem übersichtlichen Bild. Zusätzlich können außerhalb dieses Begrenzungsrahmens Gitterlinien eingeblendet werden. Das ist bei mir immer aktiviert.

Nach Betrachtung der ersten Aufnahmen ist mir sogleich der hoch auflösende und helle Monitor aufgefallen, der ist eine Wucht. Ein wenig hineingezoomt kann schon sehr gut die Schärfe kontrolliert werden. Auch die Farbdarstellung ist hervorragend. Sehr erfreut bin ich über den dazupassenden Batteriegriff MB D-10, kein Vergleich zum lieblos gefertigten Batteriegriff der D200. Zwar ist er nicht ganz billig, besteht aber dafür überwiegend aus Magnesium und liegt durch die Gummierung sehr angenehm in der Hand. Angeschraubt wackelt er nur minimal. Neu dazugekommen ist eine kleine zusätzliche Wippe, die das Anwählen der AF-Messfelder bei Hochformataufnahmen erleichtern soll. Sie ist etwas klein, lässt sich aber trotzdem einigermaßen gut bedienen.

Der Griff hat, anders wie die meisten anderen, keinen Gehäuseteil mehr, der beim Ansetzen in den Akkuschacht der Kamera versenkt wird, was zu einem kleineren Packmaß führt. Dadurch kann auch ein Akku in der Kamera verbleiben, an dem der Griff angeschraubt ist. In den Griff selbst passt dann nur mehr ein EnEl 3 Li-ion Akku hinein, das ist der Preis für die gelungene Ergonomie, da für 2 Akkus zuwenig Platz ist. Mich stört das aber keineswegs. Der große Vorteil: Nimmt man den Griff ab, kann sogleich ohne Akkuwechsel weiter fotografiert werden, sofern der in der Kamera verbliebene Akku voll ist. Weiters kann im Handgriff der EnEl 4 Akku der D2/D3 verwendet werden. Durch die hohe Akkukapazität wird man dann kaum noch einen zweiten Akku benötigen. Als dritte Variante ist das auch die Bestückung mit 8 AA-Akkus (Mignonzellen) möglich, in der Praxis funktioniert diese Stromversorgung auch problemlos. Will man die acht Bilder/Sek nützen, muss man sich für eine der letzten zwei erwähnten Möglichkeiten entscheiden (EnEl 4 oder AA-Akkus), ansonsten stehen „nur“ sechs Bilder/Sek zu Verfügung. Die Lösung mit dem EnEl 4 ist natürlich sehr elegant, für mich allerdings etwas zu kostspielig, da man zusätzlich zu diesem Akku dann noch das entsprechende Ladegerät und den Batteriehalter benötigt, was sich mit insgesamt 250 Euro zu Buche schlägt. Das hat eher Sinn, wenn man schon als Besitzer einer D2/D3 über Ladegerät und Akkus verfügt.


In der Praxis:

Erwartungsgemäß macht mir die Bedienung keine Probleme, bin ich sie nicht schon von der D200 gewohnt. Aber selbst für Systemneueinsteiger dürfte sie kaum Schwierigkeiten bereiten. Etwas gewöhnungsbedürftig ist eventuell der neue AF, denn 51 Messfelder hat es bei Nikon bis jetzt noch nicht gegeben. Es lohnt sich, vorher einmal die Bedienungsanleitung zu studieren, da es die verschiedensten AF-Betriebsarten gibt. Durch die vielen Messfelder fällt es schwer, schnell das gewünschte Messfeld anzuwählen. Glücklicherweise lässt sich die Messfeldauswahl auch auf elf reduzieren, die Verteilung ist dann ähnlich wie bei der D2. Um testen zu können, wie sich die neuen Features in der Praxis auswirken, machte ich einen Ausflug in die Gehegezone des bayerischen Waldes. Die Temperaturen dort waren zeitweise deutlich unter 0° Celsius. Das bereitete zumindest der Ausrüstung erwartungsgemäß keine Probleme. Ich hatte immer den Batteriegriff an der D300, dadurch verbessert sich das Handling in Verbindung mit den großen Teles.

Der AF war meist auf Einzelfeld- oder dynamische Messfeldsteuerung gestellt und funktionierte einwandfrei. Ich denke sagen zu können, dass der AF gegenüber dem der D200 eine Klasse höher ist. Wie gut er tatsächlich ist (auch im Vergleich zur D2), vor allem bei bewegten Motiven, werden längerfristige Erfahrungen zeigen. Der AF kann nun auch selber justiert werden, sogar die Einstellungen von bis zu zwölf Objektiven können gespeichert werden. Diese Funktion ist aber mit Vorsicht zu genießen. All zu leicht kommt man in Versuchung, zuhause im Wohnzimmer den AF im Nahbereich bei Offenblende zu eichen, was in der Praxis bei den normalen Entfernungsabständen dann zu Fehlfokussierung führen kann. Bei vielen Objektiven gibt es bei Offenblende im Nahbereich gewisse Fokusverschiebungen, das sollte berücksichtigt werden.

Als Stromversorgung dienten neben dem EnEl 3 hauptsächlich Sanyo-Eneloop Mignonakkus, die sich als günstige Alternative voll bewährt haben, auch wegen ihrer äußerst geringen Selbstentladungsrate. Durch den im Vergleich zur D200 reduzierten Stromverbrauch sind auch mit dem EnEl3 deutlich mehr als 1000 Auslösungen möglich, da gibt es keinen Anlass zur Kritik. Die acht Bilder/Sek sind natürlich für bestimmte Action-Szenen interessant, für normale Situationen aber nicht immer sinnvoll, die Speicherkarte ist viel schneller voll, mit sehr vielen identischen Fotos, und für das spätere Sichten sollte dann etwas mehr Zeit eingeplant werden. Es ist fast unmöglich, nur ein Bild zu schießen, meist sind es Salven mit zwei bis drei Fotos. Fünf bis sechs Bilder/Sek sind normalerweise vollkommen ausreichend.

Der LiveView sorgt immer wieder für Diskussionen, ich zumindest halte ihn für ein durchaus brauchbares Hilfsmittel. Der helle und extrem hoch auflösende Monitor ermöglicht ein sehr exaktes Fokussieren. Es gibt immer wieder Situationen, vor allem bei Makros, wo es schwer ist, zum Sucher zu gelangen, und erst wenn man diese Funktion auf der Kamera hat, merkt man, wie praktisch diese sein kann. Verwendet man die AF-Kontrastmessung am Aufnahmesensor (Stativ-Modus), braucht der Spiegel zum Fokussieren nicht hochgeklappt werden, das funktioniert zwar, ist aber sehr langsam. Etwas lästig finde ich das Hochklappen des Spiegels vor jeder Aufnahme, anscheinend erforderlich für die Belichtungsmessung. Allerdings lässt sich dieses Problem umgehen. Setze ich den LiveView bei Makroaufnahmen mit längerer Verschlusszeit ein, stelle ich vor der Aufnahme auf Spiegelvorauslösung um, es ist also ein Hin- und Herschalten zwischen LiveView und Spiegelvorauslösung, beides kann nicht gleichzeitig aktiviert werden. Alles in allem ist der Liveview brauchbar, aber noch verbesserungswürdig: Ein schwenkbarer Monitor, ein besserer Kontrast-AF und kein Runterklappen des Verschlusses beim Auslösen.

Neu ist auch die Möglichkeit, ein Info-Menü am rückwärtigen Monitor per Knopfdruck einzublenden, um sämtliche relevanten Daten ablesen zu können. Es wird auch angezeigt, welche Kamerabetriebsart am oberen rechten Einstellrad eingestellt ist (S, Ch, Cl, etc), was mir bei Dunkelheit schon sehr geholfen hat.


Bildqualität:

Für viele wahrscheinlich der Knackpunkt. Vor allem beim Bildrauschen wurde der D200 nicht viel Gutes nachgesagt, wenn das auch in der Praxis weit weniger relevant war. Der Sensor der D300 ist nun ein CMOS mit 12MP. Bei den JPEGs wurde wieder etwas gefeilt, die sehen Out-Of-The-Box schon sehr gut aus. Es gibt mehrere voreingestellte Tonwertkurven, die auch noch fein eingestellt werden können, und weiters kann man auch andere Tonwertkurven ins Menü hochladen. Generell ist die D300 bei gleichen ISOs etwas empfindlicher als die D200, ca. 1/3 Blende. Beispielsweise ist dasselbe Motiv mit der D300, 1/60sec und f4 bei ISO 200 genau so hell belichtet wie mit der D200, 1/60sec und f4 bei ISO 250. Da die Belichtungsmessung anscheinend die gleiche wie bei der D200 ist, ist die Belichtung oft etwas reichlich, eine leichte Minuskorrektur ist bei vielen Motiven sinnvoll.

Der Detailreichtum der Aufnahmen mit den 12 MP ist schon beeindruckend, bei optimaler Aufnahmetechnik und entsprechend guter Optik ist dieser leichte Vorteil gegenüber der D200 sichtbar. Gegenüber der Fuji S3/S5 ist der Auflösungsvorteil mehr oder weniger deutlich, ist aber erst bei Ausschnittvergrößerungen oder Prints ab 30x45cm sichtbar. Mit entsprechender Software lässt sich dieses Manko auch bei einer Fuji-Bilddatei noch etwas kompensieren. Das Bildrauschen ist trotz der zusätzlichen zwei Megapixel etwas niedriger geworden. Meine Testergebnisse deuten auf ca. eine knappe Blendenstufe gegenüber der D200 im hohen ISO-Bereich hin. Berücksichtigt man dann noch die tatsächlich höhere Empfindlichkeit (in der Praxis kann bei gleicher Verschlusszeit und Blende immer eine um 1/3 niedrigere ISO-Stufe gewählt werden), würde ich von gut einer Blende (1-1,3) Vorteil sprechen.

Die Nennempfindlichkeit sind 200 ISO, man kann zwar auch Lo 1 (100 ISO) auswählen, das geht dann aber etwas auf Kosten des Dynamikbereiches, da der Kamera keine echten 100 ISO zur Verfügung stehen. Für mich ist diese Einschränkung etwas schmerzhaft, denn brauche ich jetzt bewusst eine längere Verschlusszeit, z.B. um das Fließen eines Baches auf Chip zu bannen, benötige ich früher einen Graufilter bzw. einen stärkeren. Aber eine eierlegende Wollmilchsau gibt es schließlich noch nicht, und die meisten werden in jedem Fall eine gute HI-ISO Fähigkeit bevorzugen. Der automatische Weißabgleich ist vielleicht ein wenig verbessert worden, nur bei Kunstlicht zeigt er die üblichen Schwächen. Auch im Dynamikbereich hat sie gegenüber der D200 etwas zugelegt. Seit Erscheinen der D300 kommt auch die Fuji S5 in Bedrängnis, das zeigt auch der massive Preisrutsch. Sie kostet ein Jahr nach Einführung fast nur mehr die Hälfte. Die D300 ist im Dynamikbereich schon sehr knapp an der Fuji dran, ich konnte keine gravierenden Unterschiede entdecken, ebenso ist es bei den Farben und den JPEGs, beim Bildrauschen ist sie sogar etwas und bei der Auflösung deutlich besser. Für mich wäre die Fuji allenfalls wegen des Preises eine interessante Alternative.


Fazit:

Mit der D300 ist Nikon wieder einmal ein guter Wurf gelungen. Für mich eine konsequente Weiterentwicklung der schon sehr guten D200. Selbst eine D2X kann da kaum mehr punkten, da sie von der D300 in fast allen Bereichen geschlagen wird. Die Bildqualität ist außerordentlich gut, großer Detailreichtum und trotzdem niedriges Bildrauschen, hoher Kontrastumfang und schöne Farbwiedergabe. Einziger Wermutstropfen ist das Fehlen von echten 100 ISO. Das Handling ist, wie auch nicht anders erwartet, sehr praxisnah. Ein großer Pluspunkt ist der dazupassende Batteriegriff, mit dem einerseits die Kamera noch besser an der Hand klebt und man andererseits auch mehr Möglichkeiten bei der Energieversorgung hat. Für den Besitzer einer D200 ist die D300 nicht unbedingt ein Muss, aber in jeden Fall eine Verbesserung. Für mich ist die D300 mit dem DX-Format die ideale Kamera für die Tierfotografie, sie ist robust, in jeder Hinsicht ausreichend schnell und das bei höchster Bildqualität.